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Bloggen für Rechtsanwälte

By Christina Toth Geposted in - Blog & mandatum meinung

Puh…da ist mir wohl schon gleich am Anfang die Luft ausgegangen. Fast ein Monat seit dem letzten Blogeintrag. Eigentlich geht das ja gar nicht – groß ankündigen, dass man bald wieder von sich hören lässt und dann… Funkstille.

Aber der Aufbau eines Unternehmens ist nun einmal unglaublich zeitintensiv. Ideen entwickeln, Partner finden, Website aufbauen, Broschüre erstellen, Kontakte knüpfen, Weihnachtskarten designen und mit persönlichen Nachrichten versehen. Wann soll bei all dem noch Zeit bleiben, einen Blogbeitrag zu verfassen?

Aber so scheint es nicht nur mir zu gehen:

Zeit ist – wenig überraschend – der limitierende Faktor Nummer Eins, wenn es um die eigene Vermarktung geht.

Das ist das Zwischenergebnis einer kleinen, feinen Umfrage, die ich derzeit unter Rechtsanwälten durchführe (mehr dazu in den nächsten Wochen und Monaten. Wirklich. Versprochen!).

Man muss sich daher schon gut überlegen, wofür man seine kostbare Zeit einsetzt.

Bloggen für Anwälte?

Blog – ja oder nein? Das hab auch ich mich lange gefragt. Es gibt derzeit rund 6000 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in Österreich. Eine ziemlich überschaubare Zielgruppe eigentlich. Gemessen an der österreichischen Gesamtbevölkerung sind das nicht einmal 0,0008%. Wenn man bedenkt, dass davon wiederum nur ein Bruchteil den Blog tatsächlich liest, ist meine (potentielle) Leserschaft schwindend klein.

F: Soll ich also überhaupt bloggen?!?
A: Aber klar doch!
F: Warum?
A: Weil ich etwas zu sagen habe! Und vielleicht interessiert es ja dann doch wen.

Bloggen für Anwälte

Wie ist das aber bei Anwälten? Macht bloggen für Anwälte Sinn? Um eine juristische Standardantwort zu bemühen: „Kommt drauf an.“

Mit einem Blog schaffe ich mir eine zusätzliche Plattform, über die ich mit Menschen kommunizieren kann. Sorgfältig gepflegt, kann ich mir nach und nach eine treue Leserschaft aufbauen. Das braucht natürlich Zeit…

Sobald ich aber meine Leser kenne, kann ich mich mehr und mehr in sie hineinversetzen, sie verstehen und versuchen, sie mit meinen Inhalten zu erreichen. Mit einem Blog kann ich schnell auf aktuelle Ereignisse reagieren. Ein Blog folgt keinen strengen Regeln. In einem Blog kann  – oder sollte ich sogar – auch emotional sein.

 Real Lawyers Have Blogs

…das ist zumindest die Meinung von Kevin O’Keefe, die er auch regelmäßig in seinem gleichnamigen Blog vertritt. Dieser Meinung sind aber offenbar auch 80% der größten Kanzleien in den USA.

Hierzulande wird das Bloggen von Anwälten noch weitgehend links liegen gelassen. Gut, es gibt durchaus Kanzleien, die auf ihren Seiten Blogs „betreiben“… oder zumindest das, was sie dafür halten. Aber das ist nicht das, wovon ich hier spreche.

Ein guter Anwaltsblog, einer, der sich von der Masse abhebt, gibt nämlich nicht einfach nur ungefiltert aktuelle Judikatur wieder. Er ist nicht nur eine weitere Form einer Fachpublikation, ein Newsletterbeitrag oder womöglich ein Aktenvermerk.

In einem guten Anwaltsblog werden Themen analysiert, kommentiert, kontrovers diskutiert. So, dass der Leser einen Mehrwert hat.

Positive Beispiele gibt es aber dennoch. Hier nur ein paar:

Wenn es nicht im Umweltrechtsblog steht, ist es nicht passiert. So oder so ähnlich lässt sich der Blog zusammenfassen, der von einem Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern und Anwälten aus dem Bereich Umweltrecht gespeist wird. Neben einer umfassenden Judikaturübersicht werden ganz besonders wichtige Themen – durchaus launig – im Detail diskutiert.

Auf Geistwert wird von sämtlichen Anwälten der Newcomer-Kanzlei sowohl zu rechtlichen als auch zu kanzleibezogenen Themen gebloggt was das Zeug hält. So erfährt man alles über den Einzug in die (damals noch spärlich ausgestatteten) Kanzleiräumlichkeiten, wird aber auch über sämtliche Entwicklungen im IT-IP Law-Bereich am Laufenden gehalten. Sehr sympathisch!

Einen ganz anderen Weg geht RA Dr. Kiechl, der nicht über Juristisches, sondern über seine (zweite?) Leidenschaft – den Wein – bloggt. Seit offenbar mehr als 20 Jahren verkostet und beschreibt er Wein und lässt auch seine Klienten und alle anderen, die es interessiert, auf  The Wine Opinion daran teilhaben.

Für wen ist jetzt das Bloggen aber wirklich geeignet?

Hier ein einfaches 3-Schritte Beurteilungsverfahren, mit dem Sie ganz schnell herausfinden, ob auch Sie bloggen – also wirklich bloggen – sollten:

Schritt 1

Zunächst muss ich mir die Frage stellen, was ich mit einem Blog erreichen möchte?

      •    Meine Meinung zu aktuellen Entwicklungen kundtun
      •    Meine Mandanten regelmäßig updaten
      •    Potentielle Mandanten auf mich aufmerksam machen
      •    Meine Website im Google Ranking möglichst weit hinauf katapultieren
      •    Einfach einmal frei von der Leber plaudern

Schritt 2

Dann muss ich mir vor Augen führen, dass ein Blog sinnvoller Weise regelmäßig – also im Sinne von zumindest einmal monatlich, nicht einmal jährlich – gespeist werden sollte.

Das heißt: laufend Ideen für interessante (!) Themen sammeln, möglicherweise recherchieren und dann noch schreiben. Naja, nicht einfach nur schreiben. Ein wenig Pfeffer sollte ein Blogbeitrag, wie gesagt, schon haben. Vielleicht auch etwas von seinem Autor Preis geben, authentisch, möglicherweise kontroversiell sein. Und die Chance lebt, dass ihn – zumindest am Anfang – trotzdem niemand liest.

Schritt 3

Es folgt eine einfache Rechnung: ist es mir den Zeitaufwand aus Schritt 2 wert, mein Ziel aus Schritt 1 zu erreichen? Oder womöglich auch nicht zu erreichen.

Wenn ja – dann drauf los bloggen.  Ansonsten – lieber Finger weg davon! Ein vernachlässigter Blog kann schnell einmal unprofessionell wirken und damit nach hinten losgehen.

Kennen Sie weitere gute Anwaltsblogs? Lassen Sie es mich wissen!

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